Anmeldung Online-Seminar: Klassiker politischer Ideen: was sagen sie uns heute?

mit Prof. Dr. Gernot Graeßner, Euro-FH, Hamburg

Die heutige Zeit wird als Umbruchzeit und Zeit der Disruption empfunden. Noch bestehen zum Beispiel große Unsicherheiten, inwieweit die Digitalisierung in der Technik, der Wirtschaft, der Politik und nicht zuletzt im Alltagsleben neue politische Strukturen und neue Formen der politischen Kommunikation erbringen wird. Was können wir in unseren heutigen und zukunftsorientierten Debatten aus den Denkmustern lernen, die intelligente Denkerinnen und Denker vor Jahrhunderten begründet haben? Selbst wenn wir ganz anders denken, können wir ihre Überlegungen nutzen, um unsere heutigen Beobachtungen zu reflektieren und Anregungen für unser Handeln zu entnehmen.

Termine:

Mittwoch, 18.11.2020: Antike – Sokrates, Platon und Aristoteles
Mittwoch, 16.12.2020: Mittelalter – Augustinus, Marsilius, Machiavelli
Mittwoch, 17.02.2021: Absolutismus – Hobbes, Locke
Mittwoch, 14.04.2021: Gewaltenteilung, Volkswille – Montesquieu, Rousseau
Mittwoch, 16.06.2021: Industrialisierung – Tocqueville, Marx

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  • einen PC, Laptop, Tablet oder Smartphone
  • evtl. Kopfhörer oder Headset und eine Webcam

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Anmeldung

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Termin *

Mittwoch, 18. November 2020 (17:00 -18:30 Uhr)Mittwoch, 16. Dezember 2020 (17:00 -18:30 Uhr)Mittwoch, 17. Februar 2021 (17:00 -18:30 Uhr)Mittwoch, 14. April 2021 (17:00 -18:30 Uhr)Mittwoch, 16. Juni 2021 (17:00 -18:30 Uhr)

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Termine und Themen:

Mi., 18.11.2020: Antike – Sokrates, Platon und Aristoteles
Der erste Vortrag beschäftigt sich mit dem Denken Sokrates (469 v.Chr.-399 v. Chr.), Platons (428/427 v.Chr.-348/347 v.Chr.) und Aristoteles (384 v.Chr.-322 v.Chr.)
Sokrates verstand sich als jemand, der anderen half, selbst zu erkennen, was real, wahr und gut sei. Die Themen, um die es häufig ging, waren allerdings der Art, dass sie die Politik und die Politiker selbst betrafen. Dies weckte Widerstände. Ist es nicht auch heute so, dass Ideen im Raum stehen, die als „Verführung“ gewertet und dementsprechend zu harten Auseinandersetzungen führen? Sokrates gilt als ein Mensch, dem es gelang zu inspirieren. Die Inspiration liegt nicht zuletzt in der Methode des Dialogs.
Platons Denken beruht insbesondere auf der Grundlage der Gerechtigkeit, die zwei weit auseinanderliegende Vorstellungen umfasst. Zudem ist er von Werten allgemeingültiger Art überzeugt: Politik sollte sich auf der Basis dieser Werte, unabhängig von tagespolitischen Auseinandersetzungen, auf das Gemeinwohl ausrichten.
Aristoteles verfolgte mit seinen Überlegungen unter anderem die Absicht, Staatsmänner zu beraten bzw. zu leiten. Dabei sieht er eine klare Zielsetzung: Das Gute ist das Ziel, oder das, was jeder anstrebt und für etwas Gutes hält. Die Frage ist also, worauf das Gute beruht und worin es besteht. Die Modernität der aristotelischen Theorie liegt in ihrer Ausrichtung auf einer Balance der Macht im Kontext der Sozialstruktur und der Ökonomie.

Mi., 16.12.2020: Mittelalter – Augustinus, Marsilius, Machiavelli
Im zweiten Vortrag geht es um die Idee des Gottesstaates, sein Verhältnis zur weltlichen Macht und um die Kritik an der kirchlichen Machtausübung bis zur Entwicklung des von der Ethik losgelösten Machtbegriffs.
Mit seiner Theorie der „zwei Reiche“ begründet Augustinus (354-430) das entscheidende Paradigma des Mittelalters.
Der Glaube, repräsentiert durch die Kirche, ist entscheidend für die politische Hierarchie weltlicher Herrschaft. Der Primat des Papsttums führt zu einem Dauerkonflikt mit den weltlichen Herrschern, insbesondere dem Kaisertum. Mit dem Anspruch auf die Überordnung der Kirche über den Staat, wird letztlich ein Weltherrschaftsanspruch des Papsttums begründet, der über Jahrhunderte hinweg zu einer Verweltlichung und einem Niedergang der Kirche führte. Marsilius (um 1285/1290- 1342/1343) begründete ein Umdenken, das sich darauf richtete, Staat und Kirche voneinander zu trennen.
Machiavellis (1469-1527) Ansatz soll eine praktische Schule für politisches Handeln sein. Er plädiert in radikaler Weise für die ungezügelte Machterhaltung mit jeglichen Mitteln ohne Bindung an Ethik oder Religion und zwar um der staatlichen Einheit willen. In diesem Konstrukt liegt die Faszination des politischen Handelns, welches Eingang in spätere Vorstellungen um die Leitlinie der Staatsräson bis heute findet.

Mi., 17.02.2021: Absolutismus – Hobbes, Locke
Im dritten Vortrag wird über die Neuzeit bis zum Vorfeld der französischen Revolution berichtet: Vertragstheorien und Souveränität sind die Stichworte.
Das 17. Jahrhundert war gekennzeichnet durch Krieg und Bürgerkrieg. Dies führte insbesondere in England zu Debatten über die Natur des Menschen. Thomas Hobbes (1588-1679) und John Locke (1632-1704) sind zwei Repräsentanten dieser Debatten. Dabei handelt es sich um die grundlegenden Fragen der menschlichen Natur als kriegerisch oder friedlich und daraus abgeleitete Staatskonstruktionen.
Hobbes ist der Ansicht, dass die individuelle Freiheit dazu führt, dass sich Menschen untereinander ihr Eigentum bestreiten und es daher zu einem dauernden Krieg aller gegen alle kommt. Die Vernunft hingegen ermöglicht ein zweckorientiertes Handeln. Sie gebietet es, die individuellen Rechte auf einen Souverän zu übertragen, gegen den sich aufzulehnen sinnlos ist.
Stellt man Lockes gegen Hobbes, so wird seine antiabsolutistische Stoßrichtung deutlich. Er bedient sich wie Hobbes der vertragstheoretischen Argumentation. Der entscheidende Unterschied: Die Menschen werden nicht zu bloßen Untertanen einer unkontrollierbaren Staatsmacht. Sie haben Rechte, die ihnen kein Leviathan nehmen kann. Staatliche Herrschaft ist explizit auf das Gemeinwohl verpflichtet.

Mi., 14.04.2021: Gewaltenteilung, Volkswille – Montesquieu, Rousseau
Im vierten Vortrag werden die Denkmodelle der Repräsentation und des allgemeinen Volkswillens dargestellt, Konstruktionen, die in ihrem Wert und ihrer Problematik heute allgegenwärtig sind. Zwei Namen sind in diesem Bezug besonders prominent – Montesquieu (1689-1755) und Rousseau (1712-1778).
Vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Menschenbilds, geht es Montesquieu um die, durch zahlreiche Einflussfaktoren bestimmten Staatsverfassungen. Grundlegend für Montesquieu ist die Gewaltenteilung und die Machtbalance. Die klare Trennung der Gewalten und die Beziehungen zwischen den Gewalten sollen die politische Freiheit sichern.
Während Montesquieu also eher die Gemeinschaft und den Ausgleich betont, geht es Rousseau um die Art, wie der Wille des Volks zur Geltung kommen kann.
Probleme der menschlichen Gesellschaft treten nach Rousseau erst mit der Bildung des Eigentums ein. Eigentum wird verbunden mit der Bewertung von Menschen und führt infolgedessen zu einer gesellschaftlichen Differenzierung. Die entstehende Ungleichheit und Ungerechtigkeit bringt Rousseau zu dem Gedanken: Die Vernunft gestaltet den Gesellschaftsvertrag Gleicher unter Gleichen, der Gemeinwille wird zur Grundlage von Gesetzen und deren Ausführungen.

Mi., 16.06.2021: Industrialisierung – Tocqueville, Marx
Im fünften Vortrag werden zwei Positionen zum Verhältnis von ökonomischer Entwicklung, politischer Freiheit und Gerechtigkeit und daraus resultierender Staats- und Regierungsformen besprochen.
Das 19. Jahrhundert war, insbesondere von England ausgehend, gekennzeichnet durch die Entwicklung des bürgerlichen Liberalismus vor dem Hintergrund der Industrialisierung. . Das Jahrhundert war durch die Folgen der französischen Revolution charakterisiert. In den noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika entstanden neue politischen Strukturen. Als widerstreitende Repräsentanten unterschiedlicher politischer Ansätze können Tocqueville (1805-1859) mit seinen Beobachtungen einer kulturell verstandenen Mehrheitsdemokratie und Marx (1818-1883) als soziologischer und philosophischer Kritiker der aus dem Kapitalismus entstehenden politischen Strukturen bezeichnet werden.
Die Marx’sche Philosophie und Geschichtsdeutung war von einer „Utopie des Kommunismus“ motiviert. Von ihr ist wenig übriggeblieben. Dennoch sind bis heute Marx’ Analysen der Sozialstruktur von Bedeutung. Dies betrifft z. B. die Debatten um die politischen Wirkungen, wenn die Arbeit der Menschen als Ware betrachtet wird, ebenso um die Debatten um die soziale Verteilung von Eigentum. Bis heute gibt Marx mit seinen Beobachtungen Anregungen in der Frage, welche Auswirkungen es hat, wenn infolge der Ansammlung von Kapitel nicht mehr der Verkehr von Gütern die Wirtschaft antreibt, sondern die Flucht in das Kapital, wie es in den Finanzkrisen seit Beginn des 21. Jahrhunderts zu beobachten ist.
Tocqueville verkörpert den Repräsentanten einer modernen liberalen Demokratie unter den Bedingungen des Kapitalismus. Er zeigt, dass Demokratien dann funktionieren, wenn sie zwischen beiden Begriffen „Gleichheit und Freiheit“ in der Lage sind, ein gewisses Gleichgewicht herzustellen, auch vor dem Hintergrund der sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen.
Mit großer Klarheit erkennt Tocqueville die Notwendigkeit eines grundlegenden Konsenses über Institutionen und Regeln für Demokratien, und dass dieser Konsens sich nicht von allein einstellt, sondern durch ein dauerhaftes Engagement von Bürgern.
Zum Schluss des Vortrages wird noch einmal ein Rückblick auf alle besprochenen Ideengeber unter dem Aspekt ihrer Aktualität für heutige Debatten gegeben.